Schloss Salenegg

Europas ältestes Weingut

Ein Gedicht,
dieser Wein

Wenn Sie von der Alpennordseite zu uns kommen, empfehlen wir Ihnen einen Zwischenhalt in Maienfeld. Denn das dortige Gut Salenegg ist nicht nur das älteste Weingut Europas, sondern auch das mit den vielleicht schönsten Geschichten.

Die Entstehung von Schloss Salenegg

Im Wein lag bei den Römern schon die Wahrheit – und später wussten auch die Mönche des Klosters Pfäffers um die weltlichen Freuden des Trunks. Bereits 1068 wurde im Gut Salenegg gekeltert. Die sonnige Lage und das offene Nord-Süd-Tal. Dadurch sind die Rebberge von Westwind und Biese geschützt. Der Föhn, im Tal sinnigerweise auch «Traubenkocher» genannt, lässt die Reben optimal reifen.

Aber zurück in die Vergangenheit: 1654 kam Salenegg in die Hand der Familie Gugelberg von Moos – die das Schloss auch heute noch bewohnt. Wer auf eine so lange Tradition zurückblickt, weiss auch, dass man sich immer wieder verändern muss, um zu bleiben.

Dazu passend gibt es eine schöne Geschichte mit einem ebenso schönen Gedicht. Die bei der Übernahme 1654 gepflanzte Sahlweide war Ende des 19. Jahrhunderts prächtig angewachsen und hatte einen Durchmesser von 5,4 Metern erreicht. Gleichzeitig fingen grosse Äste an abzusterben. Der Stamm wurde faul, rissig und hohl. Die Familie gab die Hoffnung auf, liess den einst stolzen Baum wegen der windgeschützten Lage aber stehen.

1910 folgte eine wundersame Entdeckung: Urplötzlich begannen neue Triebe zu spriessen. Im Bauminnern hatte sich ein neuer Stamm gebildet, der im Schutz des alten bald zu neuer grosser Pracht spriessen sollte. Und heute immer noch stolz dort steht.

Rainer Maria Rilke

Dadurch wurde Rainer Maria Rilke bei einem Besuch 1926 zu folgendem Gedicht inspiriert. Wir empfehlen dazu einen Glas Blauburgunder des Weinguts und einen Platz auf der sonnigen Hotelterrasse.

Einstens pflanzten sie die Wappenweide, 
eine Frage an der Zukunft Heil.
Lebende und Tote, schien es beide
nahmen an des Wachstums Hoffnung teil.

Sie gedieh. Der Erde Kraft bejahte
das dem Baum verbündete Geschlecht: 
Jedesmal wenn sich ein Frühling nahte
gab der Himmel seinem Antrieb recht.

Wie nicht an des Baumes überwinden,
wie nicht an des Stammes überstehn 
einen Glauben, eine Hoffung binden? 
Wenn wir ein Vertrautes dauern sehen,

dauern wir mit ihm; so wuchs der Baum. 
aus dem immer stärkern Stammgebäude 
warf er jährlich seine grüne Freude
in den freudig zugestimmten Raum.

Aber wachsen heisst auch altern. Endlich 
gab die greise Baumgestalt sich auf,
und mit Sorge sah man unabwendlich 
den sich still erschöpfenden Verlauf.

Des vergreisten Stammes Rinde klaffte:
Man gewahrte durch den dürren Riss 
mehr und mehr die ganze unwesenhafte s
aftverlassne leere Finsternis.

Unter Sturm und Überwintern immer 
weiter offen stand die Höhle lang, 
schliesslich zog in dieses schwarze Zimmer 
obdachlos ein fremder Untergang.

Nur durch einer letzten Wurzel Leitung 
(in dem Hohlraum hängend, wie verjährt) 
schien des heitern Laubes Zubereitung 
noch für eine kleine Zeit gewährt.

Niemand achtete der welken Fäden,
selbst des Gärtners Sorgfalt täuschten sie, 
denn wir leben näher an den Schäden,
als an eines Wunders Melodie.

Dies vollzog sich dennoch. Wunderbares 
atmete im Armsein des Verfalls;
heimlich stieg die Stimme jedes Jahres 
innen auf und stärkte diesen Hals.

Langsam markte er sich aus zum Stamme, 
und nun steht die Wandlung, die verfällt, 
schützend da, wie man um eine Flamme, 
welche kämpft, die hohlen Hände hält.

Envoi:
Möge nun des starken Baumes Häutung 
Weiterhin für den Stammbau gültig sein: mit dem Baum erneut sich die Bedeutung 
und der heimlich wirkende Verein.

Salenegg, im August 1926 Rainer Maria Rilke

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